Der Transport von Motorrädern auf Anhänger ist an sich schon nicht ganz einfach. Will man das Moped in einem Wohnmobil-Urlaub mitnehmen und hängt das Teil an ein Wohnmobil, ergeben sich noch ein paar zusätzliche Herausforderungen. In diesem Beitrag will ich von unseren Erfahrungen aus 8 Jahren reisen mit Campingbus und Motorrad-Anhänger berichten.

Sinn und Zweck

Es macht m.E. einen Unterschied, ob ich ein Motorrad auf dem Anhänger von A nach B transportiere, z.B. zu einer Rennveranstaltung oder ob ich es in den Camping-Urlaub mitnehme.

Denn letzteres bedeutet evtl. alle 3-4 Tage abladen und wieder aufladen, weil man den Standort wechseln will. Grundsätzlich muss man viel Spaß am Mopedfahren haben, dass man sich das antut. Naja ganz so schlimm ist es nicht, aber es macht schon Mühe. Vor allem sollte man die Be- und Entladung so einrichten, dass eine Person das alleine kann. Zwar reisen wir immer zu zweit, aber bei Ankunft auf dem Campingplatz mit einem Campingbus ist ja sowieso schon einiges zu tun und da will man sich die Arbeit insgesamt teilen. Außerdem kann es ja mal Situationen geben, in denen einer alleine auch dazu in der Lage sein muss.

Die Technik

Im Laufe der Zeit habe ich eine, zu mir passende Technik entwickelt wie die Be- und Entladung am einfachsten und schnellsten funktioniert. Ich habe vielleicht den Vorteil, dass ich mit 193 cm Körpergröße und einem Gewicht von ca. 105 kg einige Dinge mit Muskelkraft erledigen kann. Jeder muss sich eine Technik aneignen, die seiner Situation angepasst ist. Und natürlich werde ich mit zunehmenden Alter mich auch körperlich verändern und so evtl. die Technik meiner sich ändernden Situation anpassen 😉

Der KVP

Der kontinuierliche Verbesserungsprozess, kurz KVP ist überall! Bei jedem Urlaub, ja sogar bei jedem Standortwechsel überlege ich, was ich besser machen könnte. Denn immer passieren einem kleine (und große) Missgeschicke, die einen antreiben darüber nachzudenken, sie in Zukunft zu vermeiden.

Meine Technik

  • Schritt 1: Anhänger an den Campingbus anhängen
  • Schritt 2: Auffahr-Schiene vom Hänger demontieren und hinten einhaken.
  • Schritt 3: Ausreichend dimensionierte Zurrbänder bereit legen.
  • Schritt 4: Moped in ca. 10 Meter hinter dem Hänger in Längsrichtung positionieren.
  • Schritt 5: Mit Anlauf und Schwung das Moped nun die Auffahr-Schiene hochschieben. Auch ich schaffe es in einem Zug nie bis nach ganz oben, aber zumindest soweit, dass die Mitte der Maschine über den Scheitelpunkt der Auffahr-Schiene hinausragt. Ich selber bin dann mit meinen Füßen noch auf dem Boden. WICHTIG! An diesem Punkt angekommen, unbedingt die Vorderradbremse ziehen.
  • Schritt 6: Nun besteige ich den Anhänger und schiebe das Moped mit Muskelkraft komplett auf den Hänger.
  • Schritt 7: Oben angekommen entsteht allerdings ein Problem. Man müsste jetzt ja die Zurrbänder befestigen, dazu benötigt man mindestens zwei Hände. Die halten aber ja das Moped noch in der Balance. Also braucht man nun entweder eine zweite Person oder einen entsprechende Vorrichtung, die es einem erlaubt, das Moped abzustellen und loszulassen.
  • Schritt 8: Moped auf den Seitenständer stellen und loslassen! Da ich einen Hänger habe, der kein Bodenbrett hat, sondern nur drei Schienen und darunter nichts, habe ich mir ein Brett genau an die Stelle montiert, an der der Seitenständer Halt braucht. So kann ich die Maschine auf dem Hänger abstellen und loslassen. Die Standfestigkeit da oben ist nicht optimal und gäbe es an Bord einen Sicherheitsbeauftragten, würde ich wahrscheinlich eine Abmahnung bekommen! Es ist auch unbedingt darauf zu achten, dass der Hänger gerade steht. Das ist auf Campingplätzen nicht immer ganz einfach. Es gehört zu den leidlichen (und manchmal schmerzlichen) Erfahrungen, dass man darauf tunlichst achten sollte.
  • Schritt 9: Nun gilt es die Zurrbänder in der richtigen Reihenfolge zu montieren. Zuerst das vordere Zurrband auf der Seite des Seitenständers (zumeist links) befestigen. Warum? Wenn ihr auf der rechten Seite anfangt und Zug auf das Band bringt, dann kippt euch das Moped entgegen und halten kann man 250 kg ab einem gewissen Winkel nicht mehr. Dann ist es besser man geht auf Seite. Also immer zu erst die linke Seite und da auch nicht fest anziehen, sonder nur befestigen, sodass die Ratsche das Band kneift. Am besten auch mal testen und das Moped auf die andere Seite drücken und prüfen, ob das Band hält und das Moped nicht zu stark auf die andere Seite kippt. Dann wechselt man die Seite und befestigt das vordere rechte Zurrband. Hier kann man dann schon etwas mehr anziehen, aber nicht zu fest. Wieder auf die andere Seite und das erste Band nun so fest spannen, dass die Kiste ungefähr senkrecht steht. Schweiß abwischen!
  • Schritt 10. Das „Bremsband“ befestigen. What the f… ist das? Hat man bei Physik in der Schule aufgepasst, dann kennt man das Gesetz der Trägheit der Masse. Die Zurrbänder halten das Moped nur seitlich und hindern es max. am Umkippen. Bei einem Bremsmanöver, und das kann man nicht vermeiden, drückt die Masse des Mopeds unweigerlich nach vorne und 250 kg entwickeln ein enorme kraft. Nun hat die Schiene, auf der die Maschine steht zwar vorne einen Haltebügel, in der das Vorderrad steht, aber glaubt mir, die hält gar nichts aus. Die ersten gemachten Erfahrungen haben das Teil schon mächtig verbogen, verlasst euch nicht darauf! Daher montiere ich schon seit Jahren ein Bremsband. Das lenkte ich vorne um die Stoßdämpfer unterhalb der Gabelbrücke und befestige es rechts und links ungefähr in der Mitte am Hänger. Dabei zurre ich das Band so lange, bis das Motorrad längs in der richtigen Position ist und damit die vorderen Bänder straff sind. Fast geschafft, evtl. noch mal Schweiß abtupfen 😉
  • Schritt 11: Hintere Befestigung. Hier habe ich auch Lehrgeld in Form von mehreren Sätzen Zurrbänder und einem abgerissenen Auspuff bezahlt. Wie schon erwähnt, sind da enorme Kräfte am Werk. Handelsübliche Motorräder haben keinen speziellen Haltepunkte oder -Vorrichtungen. Man sucht sich ein stabiles Teil irgendwo am Rahmen und versucht daran die Zurrbänder zu befestigen und mit dem Hänger zu verbinden. Dabei spannt man so lange, bis die hintern Stoßdämpfer fast am Anschlag sind.
    Und denkt das hält! Vergiss es! Zumindest bei meiner Maschine ist der Federweg hinten so groß und die Feder so stark, dass man das nicht schafft. Es bleibt immer ein Restfederweg übrig. Übrigens ist das eine KTM 1190 Adventure und die hat bauartbedingt einen großen Federweg und eine starke Feder.
    Was passiert? Man fährt mit dem Gespann über eine Landstraße und unvermittelt eröffnet sich eine tiefe Delle oder ein Schlagloch auf der Fahrbahn (in den südlichen Ländern Europas keine Seltenheit). Nach dem Campingbus taucht dann auch der Hänger mit der Maschine in das Schlagloch ein, das bringt das Moped dazu noch den Rest Federweg nach unten auszunutzen und entspannt damit die hinteren Zurrbänder. Bis jetzt noch alles gut! Aber nun hat die Feder diesen unwiderstehlichen Drang sich wieder in die ursprüngliche Position zu bewegen und zerrt mit aller Kraft an den Bändern und zerreißt diese. Ich habe immer stärkere Bänder gekauft, vergebens. Ich wollte am Schluss nun auch vermeiden, dass sich der Rahmen verzieht, auch wenn das vielleicht sehr unwahrscheinlich ist. Was mir übrigens auch schon passiert ist, das sich die Zurrbänder-Haken bei diesem (Eintauch)-Vorgang lösen. Die kurze Zeit der Entlastung können die Haken nutzen, um sich aus den Ösen am Hänger zu lösen. Das fällt einem dann immer erst auf, wenn man im nächsten Kreisverkehr mal kurz seinen Hänger zu sehen bekommt und einem dabei auffällt, dass da etwas rum-baumelt, dass so nicht dafür vorgesehen ist.

Die Problem-Lösung

Da das oben beschriebene nicht nur lästig, sondern auch gefährlich ist, habe ich mich im Internet nach alternativen Befestigungen umgesehen und etwas geniales gefunden:
TyerFix von ACEBIKES
https://www.acebikes.de/motorrad-spanngurte/tyrefix/

Damit wird nur das Hinterrad fixiert und der gesamte hintere Aufbau kann sich in der Federung frei bewegen. Seit ich das Teil habe, gab es nie mehr Probleme mit der Befestigung und den Gurten.

Ergänzung vom 12.08.2020

So sieht unser neues Gespann aus!